Finger weg vom Örlingertal!

Gedankenlosigkeit kann ein wichtiges Naherholungsgebiet und ein Biotop zerstören!

* Wie kam es zu dieser Seite?
Das Örlingertal ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die angrenzenden Stadtteile Safranberg, Eichenhang und vor allem für das in dieser Hinsicht nicht gerade verwöhnte Wohngebiet Eichberg. Aus diesem Grund sollten die dortigen Anwohner dem ehemaligen Stadtförster Bruno Neuburger eine Auszeichnung verleihen. Seinem beherzten Eingreifen ist es nämlich laut SWP (Ausgabe 24.Mai 2003) zu verdanken, das das Örlingertal vor weiterreichenden Zerstörungen verschont blieb.

* Worum geht es?
Wegen angeblicher Behinderung der Luftzufuhr in die Oststadt hatte man dort mit großflächigen Kahlschlägen begonnen, denn hohe Bäume sollen sich lt. Gutachten schädlich für die dortige Luftqualität auswirken.

* Soviel Aufregung wegen ein paar Bäumen?
Und nun soviel Geschrei wegen ein paar Bäumen? Mitnichten! Jeder der ein Grundstück im Stadtgebiet besitzt, kennt die umfangreichen Auflagen und Streitereien wenn es darum geht einen alten Obstbaum zu fällen. Ganz anders handelt man aber wenn es um die zweifelhaften Interessen der städtischen Behörden selbst geht!

* Hat denn niemand Interesse am Naturschutz?
Weder örtlichen Planungsgruppen, noch dem BUND oder den Umweltplanern an den Schreibtischen scheint eigentlich klar zu sein, welch seltene Pflanzen das Örlingertal beherbergt. Dort blühen wie die nachfolgenden Bilder dokumentieren viele auch unter strengem Naturschutz stehende Pflanzen. Jede Person die solche Pflanzen sammelt, ausgräbt oder zerstört kann mit Geldstrafen bis zu einigen Tausend Euro bestraft werden! Und nun will man dieses Stück Natur einfach zerstören?

* Wie kann das Fällen von Bäumen diese Pflanzen schädigen?
Jede Pflanze ist an einen bestimmten Lebensraum gebunden. So bevorzugen viele Pflanzen kühle und feuchte Laubwälder. Werden nun viele Bäume am Rand oder auch Solitärbäume im Zentrum entfernt, so dringt die Sonne tiefer in das Unterholz ein. Der Lebensraum erwärmt sich und trocknet aus, was das Ende vieler darauf angewiesener Pflanzen bedeutet.

* Welche besonders geschützten Pflanzen wachsen denn dort überhaupt?
Hier gibt es große Vorkommen einer einheimischen Orchideenart und auch das Türkenbund ist weitverbreitet. Dazu kommen: Schlüsselblume, Silberdistel, vereinzelt Eisenhut und die großen Wiesen aus Busch-Windröschen und Blausternchen sowie viele andere noch unentdeckte Schätze.

* Welche Rolle spielt dabei Geld?
Ein Wald war schon immer eine Rohstoffquelle, die besonders in mageren Zeiten wirtschaftlich gerne genutzt wird.
Aber dies sollte nicht zur Zerstörung eines Naherholungsgebietes führen. Es wird ständig gejammert, dass in Zeiten knapper Kassen wenig Möglichkeit besteht Erholungsräume neu zu schaffen oder sogar zu erhalten. Man sollte daher Vorhandenes nicht auch noch zerstören!

Und hier nun die Bilder, damit Sie sich selbst ein Bild vom Örlingertal machen können:

Der an dieser Stelle fast baumhohe Bahndamm der hier das Tal durchschneidet, ... (Plan) ...stellt wie der hohe Hügel mit dem Schwedenturm ein vermutlich ebenso großes Hindernis für die Luftströmungen dar, wie es auch die Bäume tun. Läuft dieses historische Gebäude jetzt Gefahr abgerissen zu werden?
Nach dem Tunnel öffnet sich das Örlingertal rechts zu einer für die Alb typischen Trockenwiese. Geradeaus führt uns der Weg in einen kühlen, feuchten Tunnel aus Laubmischwald...(Plan)
...der nach einem kurzen Stück bereits durch die Fällarbeiten zerstört wurde.(Plan) Der Kahlschlag und (im Hintergrund) wo er gerade noch gestoppt werden konnte.
Wie auf diesem Bild zu sehen ist, dient hier der Wald auch als natürlicher Lärmschutzwall gegen die Bahngleise. Weitgehend unversehrt schliessen sich nun wieder die Bäume über dem Weg.
Ein Panoramablick ins obere Örlingertal. Über den Baumwipfeln sind die Dächer des Wohngebietes Eichberg zu sehen. (Plan) Einer der ersten Frühlingsboten in zartem Blau: Das gewöhnliche Veilchen! Aber das Örlinger Tal hat noch mehr zu bieten!
Das "Weiße" oder "Bleiche Waldvögelein" - (Cephalanthera) eine seltene und unter strengem Naturschutz stehende einheimische Orchidee! Auf wenigen Quadratmetern gibt es den vermutlich größten Bestand dieser seltenen Pflanzen in der Region Ulm.
Die Blüte im Detail (1). Die Blüte im Detail (2). Besonderes Kennzeichen: Gelbweiße Blütenblätter mit einer rötlichgelben Lippe.
Ein ganzer Blütenstand mit den jetzt Ende Mai teilweise geöffneten Knospen. Eine weitere einheimische Orchideenart. Vermutlich eine Stendelwurz. (Epipactis)
Die Akelei (Detail) Die gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris)
Der Türkenbund (Lilium martagon) eine ebenfalls unter strengem Naturschutz stehende Pflanze bevorzugt kühle Laubwälder - Jetzt Anfang Juni blüht er wieder! Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) - Dieser hingegen bevorzugt warme trockene Standorte.
Türkenbund - Ein ganzer Blütenstand mit sechs Blüten. Türkenbund - Eine Blüte im Detail
Türkenbund - Blütenstand Gelber Eisenhut (Aconitum...) Geschützt! Giftig!
Schlüsselblume (Primula elatior) Die Schlüsselblume steht ebenfalls unter Naturschutz!
Beinwell - Detail Der Beinwell - Eine alte Heilpflanze
Eine attraktive Unbekannte. (Detail)
Fußballfeld große Teppiche in den Farben Weiß und Blau bestehend aus Millionen Busch-Windröschen und Blausternchen. Das Busch-Windröschen. (Anemone nemorosa)
Das Blausternchen (Scilla). Der Hahnenfuß (Ranunculus liebt fetten und feuchten Boden.
Die Rote Lichtnelke (Silene d.) Rote Lichtnelke
Im feuchten Talgrund, bildet das Scharbockskraut (Ranunculus...)... ... dichte gelbe Teppiche.
Das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides) Gelbes Windröschen

Fotos: ©Gerd Bräth